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                   Mallorca Zeitung

Red Hot Chili Chopper

Unterberg und seine neueste Schöpfung. Der seit 20 Jahren auf Mallorca lebende Deutsche ging vor sechs Monaten als Bike-Bauer mit eigenem Geschäft an den Start.  

Exklusiv, leistungsstark, teuer: Peter Unterberg baut in Palma die wohl aufregendsten Custom-Motorräder der ganzen Insel

 
Von Andreas John

Wir treffen uns bei mir in der Werkstatt", hatte Motorrad-Schrauber Peter Unterberg am Telefon kurz gesagt. Und schon tauchten vor dem geistigen Auge erste Bilder auf. Bilder einer nach Altöl stinkenden Garagen-Halle, von deren Wänden lüsterne Pin-up-Girls auf vergilbten Pirelli-Kalenderseiten auf dreckiges Werkzeug und ausgeschlachtete Zweirad-Skelette herabschauen.

Doch nichts von alledem ist beim Eintreten in den ýOrange-Motorcycle"-Handel in Palmas nördlichem Außenbezirk Correa zu sehen. Unterbergs Werkstatt wirkt so sauber und aufgeräumt wie der OP-Saal eines Krankenhauses. Die Wände sind allerdings - wie das Schild über der Eingangstür bereits vermuten lässt - statt in sterilem Weiß in sattem Orange gestrichen. ýMeine Lieblingsfarbe", sagt Unterberg und bietet einen Platz auf der eleganten Ledercouch an. Der blonde Kölner mit dem langen Zopf ließ sich bei der Namensgebung für sein Geschäft aber auch vom MTV-Magazin ýOrange County Chopper" - Kult unter allen custom-besessenen Motorrad-Freaks - inspirieren.

Custom-Bikes sind das krasse Gegenstück zu einem gewöhnlichen Serien-Motorrad. Sie werden entweder mit Designer-Teilen fast bis zur Unkenntlichkeit modifiziert oder aus Einzelteilen unzähliger Zubehör-Hersteller komplett aufgebaut. So wie beispielsweise der ferrari-rote Chopper, der in der Mitte von Unterbergs Werkstatt-Laden alle Blicke auf sich zieht.

Vielleicht liegt das an seinem elegant geschwungenen Stingray-Rahmen, der chromblitzenden Tiefbett-Daytona-Hinterradfelge, dem mächtigen 1,6-Liter-Triebwerk von S&S, der Designer-Fußrasten-Anlage von Ruffini oder aber an dem minimalistischen Heckfender, in den Unterberg die schmale, kaum erkennbare dunkelrote LED-Heckleuchte kunstvoll integriert hat. Sechs Monate fili-graner Arbeit stecken in dem außergewöhnlichen Motorrad.

Und viel Geld. ýAllein die einarmige Schwinge, an der das Hinterrad auf der linken Seite aufgehängt ist, hat 8.000 Euro gekostet", sagt Unterberg. Aber auch der zukünftige Käufer wird für diese Ansammlung von sündhaft teuren Designer-Teilen tief in die Tasche greifen müssen So bewegt sich der voraussichtliche Verkaufspreis des handgefertigten Unikats zwischen 95.000 und 105.000 Euro - je nachdem, wie teuer die Erstzulassung in Spanien wird.

Um eine Abnahme für das Custom-Bike und die entsprechenden Papiere zu bekommen, muss Unterberg allerdings erst einmal nach Tarragona (Katalonien) fahren. ýHier auf der Insel werden keine Erstzulassungen für solche Fahrzeuge erteilt", sagt er. Überhaupt sei das Procedere zum Eintragen von extravaganten Bauteilen, wie beispielweise die am Lenker aufgepflanzten Blinklicht-Kugeln, im Gegensatz zu Deutschland ýverdammt aufwendig".

Wer denn überhaupt so viel Geld für ein Motorrad ausgebe? ýBausparer natürlich nicht", sagt Unterberg. Auch keine tätowierten Straßen-Rocker à la Easy Rider zählten zu seinen potenziellen Kunden. ýDiese Bikes sind ein Freizeit-Spaß für Gutbetuchte." Leute, die auf Mallorca Millionen in Häuser oder Yachten investierten, hätten eben auch das nötige Kleingeld, um sich den Luxus eines solchen Custom-Bikes zu leisten.

Was man denn für so viel Geld geboten bekomme? ýErst einmal einen Haufen Aufmerksamkeit, egal wo du mit dem Ofen unterwegs bist", sagt Unterberg. Der optische und akustische Show-Effekt sei geradezu einzigartig, oder anders: Nicht aufzufallen sei mit seinen Zweirädern einfach unmöglich.

ýTechnisch gesehen, gehören diese Motorräder natürlich auch zum Feinsten, was der Markt zu bieten hat", sagt der seit über 20 Jahren auf Mallorca lebende deutsche Spezialist. Und last but not least: ýEs macht einfach irren Spaß, mit diesen Dingern über die Insel zu cruisen". Hinter cruisen verbirgt sich übrigens die Kunst, trotz urgewaltiger Triebwerkleistung ganz gemächlich, aber vor allem so cool wie möglich, die Zylinder über den Asphalt blubbern zu
lassen.

Unterberg und der für ihn arbeitende Blechspezialist Knud (ýDen kennt man in der Szene auch ohne seinen Nachnamen!") haben sich aber nicht nur auf den kompletten Neuaufbau von Custom-Bikes spezialisiert. ýZu uns kommen auch Fahrer, die ihre Normalo-Zweiräder aufmotzen oder optisch verändern möchten", sagt er. Dutzende von Fachzeitschriften und Bestellkatalogen bieteten dabei Anregungen für das Tuning von
Bikes.

Firmen und Unternehmen will Unterberg seine Custom-Bikes in Zukunft auch als Dekorationsstück oder für Werbeaufnahmen anbieten. Geplant sind außerdem geführte Motorradreisen auf dem spanischen Festland. ýWir wollen Kunden damit die Möglichkeit bieten, so ein Bike mal für eine Woche zu testen und mit ihm übers Land zu fahren." Besteht nach einer solchen Tour dann Lust, sich eines dieser Super-Motorräder zuzulegen, machten sich Unterberg und sein Team sofort an die Arbeit. Neben dem nötigem Kleingeld erfordere das vor allem eines: Geduld. Die Bauzeit einer auf Mallorca gefertigten Custom-Maschine beträgt je nach Herkunft der Teile zwischen drei und acht Monate. Dafür nennt man anschließend ein Motorrad sein Eigen, das jedem Betrachter beim Vorbeifahren mindestens ein ehrliches ýWow!" entlocken wird. Von der stolzgeschwellten Brust des Fahrers einmal ganz zu schweigen.

Weitere Infos unter www.orange-motorcycles.com.